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„Meine Familie isst vegan“ von Helene Holunder

22.04.2016 | Aus: Buchtipps

Mit ihrem Namen weckt die Autorin und Food-Bloggerin Helen Holunder bei mir bereits die Vorfreude auf den kulinarischen Frühsommer. Und schon beim ersten Blick in ihr Kochbuch „Meine Familie isst vegan“ kann sie dieses Versprechen auch einlösen: Die Auswahl an schnellen Rezepturen für Frühstück, orientalisch angehauchte Hauptgerichte, fruchtig-süße Desserts und Backwaren macht es einfach, eine Wahl für meine eigene Familie zu treffen. Sie soll die veganen Rezepte ausprobieren, um die Familientauglichkeit zu testen.

Zu Hause essen wir vegetarisch, vegan „passiert“ dabei manchmal rein zufällig, aber in der Regel wollen wir auf Butter, Milch, Joghurt und v.a. Käse nicht verzichten. Dabei wird vom Jüngsten durchaus schon der Wunsch nach „öfter mal vegan“ geäußert, da diese Ernährungsform in der Schule ein großes Thema zu sein scheint. Ihm zuliebe kaufe ich hin und wieder als vegan deklarierte Produkte, kann mich aber für Frischkäse oder Wurst aus dem Vegan-Regal nicht wirklich begeistern. Denn ich verbinde sie mit einem hohen Verarbeitungsgrad, den ich in meiner eigenen Küche normalerweise ablehne.

Aber Holunders Rezepte sind überzeugend: Eine übersichtliche Anzahl von Zutaten und eine unkomplizierte, schnelle Zubereitung – im Familienalltag ein unschlagbares Doppel. Vor allem die Rezepte, für die nur wenige Zutaten vorrätig sein müssen, sprechen mich sofort an. Einzige Ausnahme: Kokosöl habe ich bislang noch nie privat genutzt. Nun steht das intensiv nach Kokos duftende und bei Zimmertemperatur feste Öl auf dem Einkaufszettel, um mit dem ersten Rezept loslegen zu können, einer Macadamiacreme. Die fünf Zutaten werden im Handumdrehen im Hochleistungsstandmixer zu einem wunderbar cremigen Brotaufstrich püriert, das Ergebnis schmeckt köstlich, was beim Blick auf die Zutaten aber bereits zu erwarten war.

Zum Abendessen gibt es einen warmen Kichererbsensalat mit Minzjoghurt und frisch gebackenen Weizenfladen. Da wir den Geschmack (und auch die Konsistenz) von Joghurt-Ersatz aus Soja nicht mögen, ist dieses Rezept wegen des echten Joghurts nicht vegan, aber die Familie mag das orientalisch angehauchte Gericht so gern, dass gleich klar wird: Bei diesem Rezept müssen die Mengen für unsere vierköpfige Familie das nächste Mal mindestens verdoppelt werden.

Auch wenn wir Milch oder Joghurt aus Soja nicht mögen, in Form von Tofu oder Tofugranulat kommt die eiweißreichste Hülsenfrucht bei uns mehrmals im Monat auf den Tisch. Den sehr weichen Seidentofu kannte ich bislang nur aus der chinesischen Küche, er war mir aber immer zu wenig bissfest. Eine daraus gerührte süße Creme wird zur Basis von Helenes Schichtspeise, einem Nachtisch, den es bei uns regelmäßig in verschiedenen Kombinationen gibt, in der Regel aber nicht vegan. Keines der Familienmitglieder errät, woraus die puddingartige Creme besteht, die auf der Zunge zu schmelzen scheint und uns alle überzeugt. Die schnelle und einfache Zubereitung ist ein weiterer Pluspunkt, der für die Rezeptur spricht.

© Jan Thorbecke Verlag

© Jan Thorbecke Verlag

Am Wochenende soll es noch einen richtigen üppigen veganen Kuchen gehen. Der Kastenkuchen mit Heidelbeeren und Kokosfrosting geht mit seiner üppigen Creme-Umhüllung eigentlich schon in Richtung Torte. Dafür kaufe ich ausnahmsweise einen mit Vanille angereicherten Soja-Joghurt, aber auch bei diesem können echte Vanille und Zucker den typischen Sojageschmack nicht übertünchen. Im Kuchen ist das aber kein Problem, hier ersetzen Joghurt und Apfelmus das Ei und ergeben mit Heidelbeeren einen saftigen Rührkuchen. Die Creme, die den Kuchen komplett umhüllt, weckt beim Lesen der Zutaten Assoziationen an „Omas Buttercremetorte“. Diese durfte in meinen Kindertagen bei keinem Familienfest fehlen und war mir schon damals zu fett und zu schwer. Die vegane Alternative besteht hauptsächlich aus veganem Frischkäse mit etwas Margarine und Kokoscreme, einem weiteren Produkt, das ich bislang noch nicht verwendete. Die daraus gerührte Creme ist ebenfalls sehr gehaltvoll, schmeckt aber um einiges leichter, als die Buttervariante aus meinen Kindertagen. Einziges Manko: Die Farbe des veganen Frischkäses aus Lupinenprotein geht fast in einen hefeartigen Braunton – wenn man das strahlende Weiß von Frischkäse, Quark oder Joghurt aus Kuhmilch gewohnt ist, ein durchaus gewöhnungsbedürftiger Anblick auf dem Kuchen. Der Kontrast zu den darüber gestreuten Kokosstreuseln ist so deutlich, dass auch die Kinder fragen, ob die Creme darunter aus Bananen bestehe. Aber die Farbe tut dem Geschmack (sehr süß!) keinen Abbruch, „Lecker!“, finden vor allem die Kinder und schwelgen in Kokos.

Als schnelles Mitbringsel entstehen zwischendurch noch Schokoladen-Trüffel. Zwar ohne Orangenöl, was den Geschmack der Zartbitterschokolade sicher gut ergänzt hätte, aber die Trüffel schmecken auch so wunderbar und lassen sich perfekt zu Kugeln formen, die abschließend in Kakao gewälzt werden.

Beim wiederholten Durchblättern des Kochbuchs zeigt sich: Einige der Rezepte sind nicht so neu und dürften aufmerksamen Koch-Blog-LeserInnen schon bekannt sein. Aber sie gewinnen durch einige wenige neue Zutaten oder Gewürze und werden dadurch aufregender. Es gibt weitere Rezepte, die noch nachgekocht werden wollen, z.B. die Suppen, die auch gekühlt schmecken oder die Mayonnaise-Alternativen mit Mohn und Mandel oder Mango. Das Mozzarelle-Rezept weckt die Experimentierfreude in mir, es wird sicher zu Beginn der Tomatensaison einmal ausprobiert werden und sich dann dem Vergleich mit seinem Verwandten aus Büffelmilch stellen dürfen.

Es liegt nahe, dass Helene Holunder auch ein Rezept für Holunderblütensirup und -sorbet in ihr Kochbuch aufgenommen hat. Zwar ist auch mein eigenes Sirup-Rezept vegan, aber das einfache Sorbet-Rezept steht definitiv auf meiner To-do-Liste, wenn der Holunder dieses Jahr in Blüte steht.

Fazit: Ein Kochbuch, das mit einfachen und in der Regel schnellen Rezepten den Einstieg in die vegane Küche erleichtert und mit schönen Fotos Lust aufs Nachkochen macht.

Christine Diemling, April 2016

Helene Holunder
Meine Familie isst vegan
Rezepte für mehr vegan im Alltag
136 Seiten mit Farbfotos
Jan Thorbecke Verlag der Schwabenverlag AG
Ostfildern, 2016
ISBN 978-3-7995-1040-0
19,99 EUR

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