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Slow Food Genussführer Deutschland 2015

31.08.2015 | Aus: Buchtipps

Der Slow Food Genussführer Deutschland ist 2015 mit einem ersten Jahres-Update erschienen. Dies gibt Gelegenheit, auf Veränderungen zu schauen. Die gibt es für Genuss-Liebhaber mit Orientierung am Regionalen diesmal im Bereich der Ausflugsziele Wesertal und Harz.

Die „Kaffeewirtschaft“ im Schloss Hehlen, an der Weser bei Bodenwerder bietet deutlich mehr als Kaffee und Kuchen. Hier gibt es eine Restaurantküche mit einer Mischung italienisch-österreichisch-amerikanisch inspirierter Angebote sowie einige wenige regionale Gerichte. Von der im Genussführer angezeigten regionalen Belieferung ist auf der Speisekarte genauso wenig Konkretes zu finden wie vom Bezug von Bio-Produkten. Für die Steaks wird das Fleisch „aus Deutschland und aus der Region“ ausgelobt. Das ist deutlich zu ungenau für eine Bevorzugung und Empfehlung. Wer heute von Bio spricht, sollte zertifiziert sein oder zumindest eindeutig seine Lieferanten benennen. Auch Mc Donalds wirbt damit, dass das Burgerfleisch aus Deutschland kommt. Ein Restaurantführer, der die regionale Küche zum Leitmotiv erklärt, sollte bei der Auswahl genauer hinschauen.

© Slow Food

© Slow Food

Eindeutig positiver kann die Aufnahme der „Harzer Speisekammer“ aus Buntenbock in den Genussführer bewertet werden. Der Wirt Michael Woyke zeigt mit einer Auflistung seiner Lieferanten, wie regionale Authentizität möglich ist. Woyke zählt auch erfreulicherweise zu jenen Köchen, die sich in der Angebotsbreite sehr zu Gunsten der Qualität begrenzen. Es gibt täglich ein Menü, das sich im Wochenrhythmus wiederholt. Und dabei dominieren nicht wie an der Weser die schnell gebratenen Steaks, sondern hier wird die echte Küche der Langsamkeit gelebt, hier werden Rind, Wild, Lamm und auch Gemüse geschmort. Das Ambiente und die Tischkultur sind so angenehm zurückhaltend gestaltet, dass der Essensgenuss auch wirklich im Vordergrund steht. Vielleicht ist es für ein derartiges Angebot typisch, dass die Speisekammer nicht gerade an einem touristischen Hotspot liegt. Ideal kann der Besuch der Speisekammer mit einem Ausflug an die rund um Clausthal gelegenen idyllischen Teiche und das „Oberharzer Wasserregal“ verbunden werden.

Das von uns bereits bei der ersten Ausgabe des Genussführers beobachtete Süd-Nord-Gefälle bei der Häufigkeit und der Ausdrucksstärke der Gasthäuser besteht in der Ausgabe 2015 weiterhin. Es bleibt zu hoffen, dass der Genussführer und die damit verbundene Arbeit vieler Slow Food-Aktiver dazu führen, dass die Zahl der Gasthäuser mit einer Küche zunimmt, die von handwerklicher Kunst geprägt ist und die ihre Zutaten aus der Region bezieht, möglichst von biologisch wirtschaftenden Betrieben. Dabei sollte der Slow Food-Blick weniger auf die hochpreisigen Feinschmeckerlokale, sondern stärker auf die echten Wirtshäuser mit bodenständiger Küche fallen. Der Süden Deutschlands zeigt, dass dies möglich ist.

Eberhard Röhrig-van der Meer, August 2015

Slow Food Genussführer Deutschland 2015
Oekom Verlag
19,95 Euro

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