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Mein erster Veggietag

26.10.2011 | Aus: Portraits & Interviews

von Corinna W.

Es soll gesünder sein, besser für die Umwelt, ein gutes Gewissen schenken – und es liegt voll im Trend. Genug Gründe, um es mal mit fleischloser Ernährung zu versuchen. Dennoch konnte ich mich bislang nicht dazu aufraffen, meine Ess-Gewohnheiten dahin gehend zu verändern. Den Anstoß gab schließlich eine gute Freundin, die mich seit Jahren von den Vorteilen einer vegetarischen Ernährung zu überzeugen versucht. Und so beschloss ich, anlässlich des „Welt-Vegetariertags“ am 1. Oktober einen Veggietag einzulegen!

Corinna W. © Umweltzentrum Hannover e.V.

Als ich am Sonntagmorgen aufstand, endete mein Experiment beinahe schneller als ich „Tofuwürstchen“ sagen konnte. Gedankenverloren und müde schlurfte ich in die Küche, setzte mich an den gedeckten Tisch und griff automatisch zur Packung mit der Hähnchenbrust.
Nutella oder Marmelade sind nichts für mich, so etwas kriege ich morgens absolut nicht runter -zum Frühstück esse ich deshalb eigentlich immer etwas Herzhaftes. Aber dass ich gerade kurz davor stand, genüsslich in ein absolut unvegetarisch belegtes Brötchen zu beißen, wurde mir erst in dem Moment bewusst, als meine Mutter mich fragend anschaute und irgendwas von wegen: „Na der gute Vorsatz hat ja nicht gerade lange gehalten …“, in ihre Zeitung murmelte. Als hätte sich der Aufschnitt gerade in pures Gift verwandelt, ließ ich mein Brötchen fallen. Oh, stimmt, da war ja was! Veggietag! Aber kein Problem, der Gouda war genauso lecker, und mit ein paar geschnittenen Radieschen belegt, kam ich mir richtig gesundheitsbewusst vor.

Problematischer wurde es erst später: Mittags war ich bei meinen Großeltern eingeladen – und die leben seit ich denken kann nach dem Motto „Fleisch ist mein Gemüse“. Als ich meiner Oma vorsichtig erklärte, dass ich einen vegetarischen Tag einlegte und den Schmorbraten mit Klößen daher leider nicht essen konnte, fiel sie aus allen Wolken. Dann bot sie mir großzügig an, dass sie „irgendwo in der Truhe“ noch eine Packung Fischstäbchen hätte. „Die kann ich dir meinetwegen machen, wenn du partout nichts Vernünftiges willst.“ Dankend lehnte ich ab, blieb stark – und ging mit knurrendem Magen nach Hause.
Eine Weile ärgerte ich mich, dass ich Omas Essen verschmäht hatte. Doch als ich unsere Küche durchstöberte und mir dann spontan im Wok Nudeln mit Gemüse briet, war ich doch ganz zufrieden mit meiner Entscheidung. Ich hatte das Gefühl, dass meine Wahl besser und abwechslungsreicher ausgefallen war als gewöhnlich. Und lecker war es zudem auch!

Am Abend traf ich dann ein paar Freunde zum Spieleabend. Und in dieser Runde fiel es mir total leicht, mich an meinen Vorsatz zu halten. Jeder von uns brachte etwas zum Essen mit und es war so gut wie nichts mit Fleisch dabei. Viele meiner Freunde sind selbst Vegetarier, so musste ich mich hier – anders als bei meinen Großeltern – nicht rechtfertigen, und erntete sogar von allen Seiten Lob und Zuspruch für meine Idee. In meinem Freundeskreis geht es anscheinend auch gut ohne Salami-Pizza, Cheeseburger, Bifi und Co.
Mein Experiment hat mir gezeigt, dass ich durchaus auch ohne Fleisch zurechtkommen würde. Ob ich jetzt wirklich dauerhaft auf Omas Mittagessen und meine geliebten Fleischklöpse verzichten könnte, um ein „richtiger“ Vegetarier zu werden, weiß ich nicht. Aber zunächst einmal war der Selbstversuch ein voller Erfolg, und ich werde zukünftig bestimmt regelmäßig einen Veggietag einlegen!

Corinna W., ehemalige FöJ-lerin des Umweltzentrum Hannover e.V.

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