Home Presse Kontakt

Magazin

Klimaschutz mit Messer und Gabel

14.06.2011 | Aus: Portraits & Interviews

Interview mit Thomas Schönberger vom VEBU

Thomas Schönberger, ehrenamtlicher Vorstand des Vegetarierbund Deutschland (VEBU), befasst sich seit mehr als zehn Jahren mit dem Thema „Klimaschutz und Fleischkonsum“. Im Interview mit Jasmin Vettel vom Umweltzentrum Hannover e.V. spricht er über Fakten und Handlungsmöglichkeiten.

Herr Schönberger,
viele Menschen würden von einem Steak niemals auf die Erderwärmung schließen. Inwiefern trägt die Viehhaltung zum Klimawandel bei?

© VEBU

Im Allgemeinen gilt bei der Produktion von Lebensmitteln das Gleiche wie für alle anderen Herstellungsprozesse: Um so aufwendiger der Prozess, um so mehr Energie wird dabei verbraucht und um so mehr klimaschädliche Gase werden freigesetzt.
Die Produktion tierischer Lebensmittel ist auf vielen Ebenen deutlich aufwendiger, als die Herstellung pflanzlicher Produkte: Es wird mehr Fläche benötigt und mehr transportiert (insbesondere Futtermittel), außerdem werden mehr Erdöl, Energie und Wasser verbraucht. In Bezug auf die Klimaerwärmung spielen in der Landwirtschaft neben CO2 vor allem Methan und Lachgas eine wesentliche Rolle. Um die unterschiedliche Klimaschädlichkeit der Gase in einem Wert zusammenzufassen, benutzt man zum Vergleich der Klimaschädlichkeit den Begriff der CO2-Äquivalente. Pflanzliche Produkte erzeugen bei ihrer Herstellung deutlich niedrigere CO2-Äquivalente als tierische.

Möchte man die Klimafreundlichkeit unserer Nahrung erhöhen, müsste man den Aufwand für die Lebensmittelproduktion möglichst stark senken. Die vegetarische und vegane Ernährungsform oder zumindest eine Fleischreduktion ist immer der einfachste Weg.

Wie verbreitet ist das Wissen in unserer Gesellschaft, dass vor allem tierische Produkte zum Klimawandel beitragen?

Ich glaube diese Tatsache war bis vor Kurzem noch wenig verbreitet, was sich in den letzten Jahren allerdings deutlich gewandelt hat. Noch nicht als breites Allgemeinwissen, aber doch über die kleine Nische von Klima- und Umweltaktivistinnen hinaus. Zumindest die großen Umweltverbände wie beispielsweise der BUND und NABU, welche nicht unbedingt ihre Arbeitsschwerpunkte auf Landwirtschaft und Ernährung setzen, haben mittlerweile wahrgenommen, dass die Art, wie wir uns ernähren, massive Klimafolgen hat. Dieses Wissen ist in

der Gesellschaft zwar noch nicht auf jedem Tisch angekommen, aber wir sind auf einem guten Weg dorthin.

Ist „bio“ in der Nutztierhaltung die Alternative? Oder welche Möglichkeiten zur Einsparung von CO2-Äquivalenten bietet eine ökologische Nahrungsmittelproduktion?

Der VEBU wirbt für die vegetarische und vegane Lebensweise, weil wir meinen, dass sie nicht nur für den Klimaschutz, sondern auch sonst viele Vorteile mit sich bringt. Wir sagen aber auch, dass wir jede Veränderung in Richtung eines klima- und tierfreundlichen Lebenstils, die größer als Null ist, begrüßen.

Betrachtet man die Nahrungsmittelproduktion ausschließlich unter dem Klimaaspekt, ist „bio“ generell oder in fast allen Bereichen besser als „konventionell“. Zum Teil sind die Zahlen in dem Bereich jedoch sehr unterschiedlich. Allgemein kann man sagen, dass die ökologische Landwirtschaft deutlich weniger Energie verbraucht, weil sie z. B. keinen energieaufwendig künstlich hergestellten Stickstoff einsetzt, sondern mit organischen Düngemitteln arbeitet. Die sehr erdölaufwendige Produktion von Pestiziden fällt in der ökologischen Landwirtschaft ebenso weg.

Sie sagten, dass die moderne Landwirtschaft, insbesondere die Viehhaltung maßgeblich zur Erderwärmung beiträgt. Halten Sie es für möglich, dass die Menschen ihre Essgewohnheiten deshalb ändern?

Vielleicht nicht in erster Linie deswegen. Ich glaube, dass Menschen vorrangig ihre Gewohnheiten ändern, wenn ihnen etwas unter die Haut geht, wie die eigene Gesundheit. Klimaschutz ist für viele Menschen eher ein zweitrangiges Argument, welches nicht unbedingt handlungsleitend ist.

Was wäre die Folge von klimaschonender Viehhaltung bzw. Landwirtschaft für die Konsumenten?

Es gibt Studien, die zeigen, dass wir die Welt biologisch ernähren könnten. Eine ganz wichtige Voraussetzung dabei ist, den Konsum tierischer Produkte zu senken, weil sonst die Flächen nicht ausreichen würden.

Des Weiteren wäre „Bio“ bei einer ursprünglichen Mischkost natürlich teurer, als bei einer rein pflanzlichen Ernährung. Man sollte jedoch immer im Blickfeld haben, das der Preis für ökologische Lebensmittel im Prinzip der normale Preis ist. Der konventionelle Preis ist ein Dumpingpreis, der die Umwelt zerstört und letztendlich die Tiere unwürdig behandelt. Für den Einzelnen ist „Bio“ vielleicht etwas teurer. Gesellschaftlich spart es jedoch sehr viel Geld ein, da wir die Schäden an unserer Umwelt im Nachhinein nicht mehr reparieren müssen. Der konventionelle Preis ist ein Ausreißer nach unten, den wir uns eigentlich nicht mehr leisten können. Würde die breite Masse ökologische, klimaschonende Produkte kaufen, würde auch der Biopreis in Folge einer Kapazitätsausweitung sinken.

Vielen Dank für das aufschlussreiche Interview!

Mehr über den VEBU und dessen Projekte erfahren Sie hier.

Stand: 18.04.2011, gekürzte Fassung

© 2017 Umweltzentrum Hannover e.V.   |   Impressum